Pfaffstätten

Die Pfarrkirche Peter und Paul

Die Kirche außen

Die ehemals kleine Kapelle aus dem 12.Jhd. umfasste den heutigen Chor. Als Ostabschluss war anstelle des heutigen dreiseitigen Chorschlusses vormals ein kleiner eingezogener Rechteckschor. Die Kirche war von 1538 bis 1812 vom Ortsfriedhof umgegeben.
Außen am Turm zu sehen sind die schmalen gotischen Fensterschlitze und Geschossgesimse, die Glockenstube mit Eselsrückenbogen sowie zwei 1975 freigelegte historische Sonnenuhren. An der Außenmauer der Kirche findet sich ein Grabstein aus dem Jahr 1575 sowie nordseitig die sogenannte Missionsnische mit Freskenresten (Darstellung der Turmuhr?).
Der Seiteneingang wurde 1764 mit einem Aufgang zur Orgelempore versehen und überdacht.
Den Zwiebelhelm (zunächst aus Schiefer) erhielt der Turm anstelle eines Pultdaches nach den Verwüstungen im Türkenjahr 1683.
Gegenüber auf der Adresse Kirchengasse 3 befindet sich das ehemalige Mesner- und Schulhaus.

Grabstein 1575
"Hier ligt begraben der Ehrsam und weis Steffan Schäffler, wöllich entschlafen im Jahre 1575 hernach im 5den tag ist auch in Gott enschlaffen der Erbar und fiernem Georg Prödl, wölicher den stein hauen und aufmachen hat lassen. Anno im 1584 den 3tag Februari starb walpurga prödlin sein Ehlich Hausfrau die zu ????diese Stelle ist am Stein nicht lesbar herrn Schäffler Ehlich gehabt.
Gott verleih ihnen ein fröhliche auferstehung)"

Die Kirche innen

Pfarrkanzel

Man betritt das Kircheninnere durch den Haupteingang im spätgotischen Turm. Der Turm und das Langhaus zeigen Kreuzrippengewölbe mit Wappenabschlusssteinen. Im Schiff finden sich Pfeilervorlagen mit gotischer Bemalung (Rautenmuster).

An der linken Hallenwand ist die barocke Kanzel (1764) zu sehen.

Marienbild

Im linken Seitenschiff befindet sich eine Kopie des Muttergottesbildnisses nach Cranach d. Ä. gestiftet von Maria Katharina Wetzstein, geb. Hoffmann von Ankerskron (gest. 1740), einer kaiserlichen Kammerfrau Maria Theresias, welche in der Kirche bestattet ist.

Links im Chor befinden sich auf einem Podest die Figur des hl. Petrus und in einer Nische die des hl. Augustinus, rechts auf dem Podest der hl. Josef und in der Nische der hl. Bernhard.
Die Kirche wird wegen ihrer hervorragenden Akustik von Chören und Instrumentalisten geschätzt.

Pfarrkirche

Die jetzige künstlerische Gestaltung des Kirchenraumes erfolgte 1997 durch Mag. art. Johann Höflinger, Wien unter dem Motto "Die Freude an Gott ist unsere Kraft". ( Nehemia, Kapitel 8, Vers 10). Veschiedene Christliche Symbole sind zu erkennen so zum Beispiel im Tabernakel ein PAX – das Christusmonogramm, zusammengesetzt aus den griechischen Buchstaben CHI und RHO ; unter der Kredenz das Zeichen des Fisches, die Dornenkrone im Ewigen Licht, und einem Bischofsstab im mittleren Glasfenster. Ebenso werden einen Teil der Welt und des Himmels in den drei Glasfenstern sehen, sowie Weltkugel auf ihrem Weg durch Raum und Zeit im Tabernakel interpretiert.

Geschichte der Pfarrkirche Pfaffstätten

Die Errichtung der ersten romanischen Kirche Ende des 12.Jhd. liegt im Dunklen. Den Vermutungen, dass die Kirche auf den Resten eines römischen Wachturms am Fluss Eina (Einödbach) errichtet sei, machte ein Baugutachten aus dem Jahre 1978 ein Ende. (Quelle: [4])

Pfarrkirche

1538 erfolgte - wahrscheinlich im Zuge der Pfarrerhebung – der spätgotische Erweiterungsbau mit Kreuzrippengewölbe und Schlusssteinen sowie Turm mit Pultdach.

1683 Im Zuge des Türkenkrieges brennt die Kirche ab.

1685 bekommt die Kirche zwei neue Glocken: am 13.8.1685 wurden im Melkerhof zu Wien für Pfaffstätten zwei Glocken zu Ehren der Allerheiligen Dreifaltigkeit und der Apostelfürsten Peter und Paul geweiht. Der Abt von Melk hatte 30 Gulden beigesteuert. Das Gewicht der großen Glocke, "Elferin" genannt, betrug 9 Centner 60 Pfund (ca. 538 kg), das der kleineren, der sgn. "Neunerin" , 4 Centner 48 Pfund (ca. 251 kg).

1686 wurden bei den ehrwürdigen Augustinern in Baden 400 Gulden zum Kirchenwiederaufbau aufgenommen. Der Turm erhält ein barockes, mit Schindeln gedecktes Zwiebeldach.

1724 stiftete Melchior Bauer, Müllermeister auf der Rohrmühle, 2 Altäre, einen zu Ehren der Hl. 3 Könige und einen zu Ehren der Hl. Mutter Anna.

1740 Katharina Wetzstein, kaiserliche Kammerfrau, spendet ein Marienbild und wird in der Kirche begraben.

1749 wird das sgn. ZügenglöckleinSterbeglocke: Glocke, die nach Eintreten des Todes eines Gemeindemitgliedes geläutet wird. angeschafft. (Quelle: [2])

1764 wird die Kirche innen restauriert. Der Bogen vor dem Altarraum wird aufgebrochen um einen besseren Blick auf den Altar zu bekommen, die beiden Seitenaltäre (S. Sebastian und Frauenaltar), die am Bogen stehen werden schräg gestellt. Die Kanzel, welche beim S. Sebastian Altar am Bogen stand wird auf die linke Seite versetzt. Die Sakristei wurde komplett umgebaut:
"Voran ober der Sakristei war ein aus Holz gemachtes OratorioORATORIUM, n. (plur. mit deutscher endung oratorien), das kirchenlat. oratorium, bethaus, betstübchen, in den klöstern der betsaal: oratorium, betkämmerlein. Grimmsches Wörterbuch". (Anm: offenbar Teil des Presbyteriums mit Holzfußboden).
Auch die Chor-und Orgelempore wird komplett neu gestaltet. Diese ruhte offenbar auf zwei Steinsäulen und einer Mauer. Diese Konstruktion wurde durch 3 Träger aus Eichenholz ersetzt. Der Aufgang zur Empore wurde zum Seiteneingang verlegt und dessen Vorraum überdacht. (Quelle: [1])

Am 12.Juli 1766 besucht Kaiserin Josepha die Messe und wohnt der goldenen Hochzeit Balthasar und Maria Pachhofer bei und schenkt dem Paar 12 Dukaten. (Quelle: [1])

1768 muss der Choraufgang neuerlich umgestaltet werden, da dort immer ein "großes Gedränge""Weilen aber die Leuth nit füreinander kommen können, (und jederzeit großes Gedränge gewesen), als ist anno [1]768 auf Kosten der Gemeinde Pfaffstätten die extra Thür auf den Chor gemacht worden.".
Auch die Kirchenstühle werden erneuert. Das Muttergottesbild, das im rechten Seitenalter (Frauenaltar) gestanden war, wurde nun links im Bogenoval untergebracht. Des Weiteren wird das Bildnis der hl. Francisus XaveriFranz Xaver Missionsheiliger aufgestellt. (Quelle: [1])
Am 28. August führt Kardinal von Miggazi in die Visitation durch. (Quelle: [1])

1781 stützt das Kirchengewölbe beim Hochaltar ein.

1783 berichtet die Sulzer Chronik von einem barocken Hochaltar, der aus Pfaffstätten hierher kam, der aber so abgenutzt war, dass er bald erneuert werden musste. (Quelle: [6])

1784 versucht man von den aufgelassenen Klöstern Kirchengewänder und Gefäße zu erwerben, was von Wien aber eingeschränkt wird. (Quelle: [1])

1791 beginnen die Verhandlungen zwischen der Gemeinde und dem Stift Heiligenkreuz bezüglich zu Wiedererrichtung der Pfarre: Nutzung der Pfarr- und Kirchengüter, Unterhalt der Kirche und Schule etc. Die Gemeinde weist darauf hin, dass sie die Kirche in einem ordentlichen Zustand übergebe:
sie sei mit Messgewändern, Ornaten, silbernen Kelch, Tassen, und Kanderln, Rauchfass und einer Lampe versehen, welches alles von Silber ist. – Die Glocken seien von einer großen Schwere, die Uhr mit neuen eisernen 4 Tafeln, der Turm mit neuem Dachstuhl von Lerchenbaum-Holz gebaut, der Glocken-Stuhl von eichenen Holz unlängst gemacht, das Schulhaus werde in Kürze gebaut. (Quelle: [1])

Pfarrkirche

1812 Der Friedhof der sich rings um die Kirche befand, wird zwischen Wüstegasse und Rennbahngasse verlegt. (Anm.: ein Teil des heutigen Friedhofs, sgn. "alten Friedhofes").

1834 wird die Orgel repariert. (Quelle: [2]). Am 26. Oktober 1834 bricht während des nachmittägigen Gottesdienstes zwischen 2 und 3 Uhr in der Kirchengasse ein Feuer aus, greift auf die (alte) Schule über. Dann erfasst das Feuer das Kirchendach und den Kirchenturm. Die Kirche kann nur durch die zur Hilfe eilenden Feuerwehrspritzen der Nachbarorte gerettet werden. [1] Anmerkung: dies ist der historische Kern der von Calliano überlieferten Geschichte der "Orgler und Spritzer".

1835 wird die erste (mobile) Feuerspritze für Pfaffstätten angeschafft. Sie wird im ersten "Feuerwehrhaus" (in der Schulgasse, jetzt Geräteraum des Bauhofes Pfaffstätten) untergebracht. Die beim Brand des Kirchturms beschädigte große und die kleine Glocke müssen umgegossen werden. Auch der Kirchturm wurde instand gesetzt. [1]

1848 erhielt die Kirche einen neuen Kirchenstuhl (links gegen den Hochaltar) welchen der Müllermeister auf der Rohrmühle Karl Moosbacher – auch Hauptmann der Nationalgarde in Pfaffstätten - auf seine Kosten anfertigen ließ. (Quellen: [1] und [2])

1883 und 1884 werden unter Ortspfarrer Josef KleinlPfarrer in Pfaffstätten von 1882-1889 und Ortsrichter Franz Preyß umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt, die Orgel, das Kirchendach und den Glockenstuhl betreffend. Das Turmkreuz wird vergoldet. (Quelle: [1])

1894 werden wieder Änderungen durchgeführt und Neuanschaffungen gemacht, der Hochaltar wurde ganz neu hergestellt, zwei Seitenaltäre restauriert, sämtliche Altarbilder frisch renoviert und vergoldet. Hierzu wurden bedeutende Beträge privat gespendet. (Quelle: [1])

1903 Die Orgel in der Kirche wurde mit einem Kostenaufwand von 1186 fl repariert. Der Betrag wurde durch eine Sammlung aufgebracht.

1904-1905 wird unter Pater Hugo PreschPfarrer in Pfaffstätten von 1902-1906 das Kircheninnere umgebaut: das Presbyterium (der früher den Priestern vorbehaltene Altarraum im Kirchengebäude) wird trockengelegt, mit einer Eichenlamperie versehen sowie mit von Frau Pachhofer gespendeten Glasfenstern (Josef und Maria, heute im Heimatmuseum) versehen. Die Halle wird mit Glasfenstern (hll. Petrus und Paulus), gespendet vom Marienverein, ausgestattet.

Pfarrkirche

Im Jahre 1913 bekam die Pfarrkirche ein neues Hochaltarbild vom akad. Maler Hermann Nigg. (Quelle: [2] p 79)

Pfarrkirche
© NÖLB IDN: 397941
IDA: BILD-19473

1917 werden kriegsbedingt zwei Kirchenglocken abgeliefert. Auch die Orgelpfeifen müssen abgeliefert werden.

Pfarrkirche
© NÖLB
IDN: 397942
IDA: BILD-19472

1921 am 24.Dezember findet die Weihe der wiederbeschafften Glocken statt.

1931 findet erneut eine Kirchenrenovierung statt.

Pfarrkirche

1942 müssen 3 Glocken für die Kriegsindustrie hergegeben werden, unter anderem die "Elferin" von 1685. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt schon einen Sprung und konnte nicht mehr geläutet werden. Im Turm bleibt das sgn. ZügenglöckleinSterbeglocke: Glocke, die nach Eintreten des Todes eines Gemeindemitgliedes geläutet wird. (heute Heimatmuseum).
Als die alte große Glocke, die sgn. "Elferin" 1946 zurückkehrte, wird sie von der Fa. Dipl. Ing. Josef Pfundner in Wien umgegossen. Die drei anderen Glocken werden im Jahre 1949 umgegossen.

Glockenweihe

1949 findet eine große Glockenweihe statt.

Pfarrkirche

1956-1957 wird unter Pater Leopold HühnelPfarrer in Pfaffstätten von 1946-1962. die Kirche wieder innen renoviert: die alten Holzaltäre werden entfernt und durch einen neuen Hochaltar von Prof. Pfann ersetzt. Das Presbyterium wird neu gestaltet: die bunten Glasfenster werden abgenommen, die Apsis wird durch Öffnung der vermauerten Fenster wieder auf den romanischen Stil rückgeführt, die großen Seitenfenster im Altarraum werden vermauert. Die Sakramentnischen werden freigelegt. Die im Altarraum befindliche sogenannte Ratsherrnbank auf der rechten Seite und der Kirchenväterstuhl wurden entfernt. Er stand bei der Sakristeitür.
Zwei Heiligenfiguren vom Tiroler Holzschnitzer Stock (Josef und Maria) werden für die Seitenaltäre angeschafft (heute Heimatmuseum). (Quelle: [2])

1966 wird eine Kirchenheizung installiert (Gas und Infrarot Deckenstrahler). (Quelle: [2] p79)

Pfarrkirche

1975-1976 erfolgt unter Pater Lamprecht KnießPfarrer in Pfaffstätten von 1963-1983. die Außenrenovierung des Kirchturms: Der Turm erhält ein neues Dach aus Kupferblech und eine elektrische Turmuhr. Zwei Sonnenuhren werden freigelegt.

1978-1979 wird die Kirche innen renoviert: Der Volksaltar wird aufgestellt, das Tabernakel kommt auf den rechten Seitenaltar. Die beiden Heiligenfiguren hl. Peter und hl. Paul vom alten Hochaltar kommen von der Apsis in die vorhandenen Nischen im Presbyterium, an ihrer Stelle kommen die Tiroler Figuren in die Apsis.

1987 erhält die Kirche unter Pater Petrus HübnerPfarrer in Pfaffstätten von 1984-2002. eine neue Orgel. Orgelbauer war Helmut Allgäuer aus Grünbach am Schneeberg.

Pfarrkirche

1997 erfolgt eine umfassende Innen- und Außeninstandsetzung der Kirche: mechanische Trockenlegung durch Umluft, der Verputz wird vollkommen erneuert, der Altarraum und die Halle neuzeitlich gestaltet. Zum linken Seitenaltar kommt jetzt das historische Marienbild, statt des rechten Seitenaltars wird ein Taufstein mit Taufbecken aufgestellt. Die Fenster in der Apsis erhalten bunte Gläser, die beiden großen Fenster im Altarraum werden wieder geöffnet. Die Figuren des hl. Petrus und hl. Paulus kommen links und rechts auf ein Postament beim großen Bogen. In die Seitennischen kommt links der hl. Augustinus und rechts der hl. Bernhard. Das Tabernakel wird in neuer Form errichtet. Die künstlerische Gestaltung stammt von Mag. art. Johann Höfinger, Wien.

Kirchturmkreuz

2001 wird unter Pater Petrus  Hübner  das Turmkreuz neu vergoldet.

2009 wird die alte große Glocke, "Elferin" genannt wegen eines Sprunges ausgemustert und bekommt beim Heimatmuseum Pfaffstätten einen Ehrenplatz.

2011 wird das Kirchendach instand gesetzt.

Literatur:
Anfahrtsplan zur Pfarrkirche Pfaffstätten: