Heimatkundeverein Pfaffstätten

Pfaffstätten

Rathaus Pfaffstätten

Außen

Erinnerungstafel an den Wiederaufbau 1610:
"Dies Gebäude, im April 1610 samt allem Heiligsten durch Feuer vernichtet, wurde mit Zustimmung des Paulus SchönebnerPaul Schönebner, Abt von Heiligenkreuz 1601-1613, Priester des Stiftes Heiligenkreuz, von den Pfaffstättnern angekauft und in demselben Jahr wie oben hergestellt."
(Quelle: [1] p 157ff)

Erinnerungstafel an den Wiederaufbau 1804:
"Dich haben die Pfaffstättner unter dem Priester M. ReiterMarian II, Reutter, Abt von Heiligenkreuz 1790-1805 und dem Richter SchlaffMathias Schlaff, Richter in Pfaffstätten von 1803-1819 aus der Erde gegen den Himmel empor gerichtet."
Die Jahreszahl ist als Zahlenrätsel (Rebus) versteckt.
(Quelle: [1] p 157ff)

Pranger

Ecke Badenerstraße/Dr. Josef Dolp-Straße ist der Oberteil des ehemaligen Ortsprangers, der 1683 von den Türken zerstört wurde, in Form einer runden Kugel an der Gebäudekante des Rathauses, mit einem Eisenring befestigt. Nach alter Tradition stand dieser am Platz wo der sgn. Steinerne Brunnen zu finden ist. (Dr. Josef Dolp-Straße 6)
(Quelle: [1] p 153)

Innen

Ritterstube

Im Hof befindet sich eine Inschrift mit der Jahreszahl 1767 mit den Initialen F. N. (Ferdinand Nötzl, Richter von 1764 – 1781).
Das heutige Ritterstüberl der heutigen Rathausstuben war einst der Pferdestall.

Geschichte

Das jetzige Rathaus war lange Zeit das Gemeindegasthaus. Das Recht, auf "freyes LeuthgebenAusschank alkoholischer Getränke im Gemein- oder Gasthaus", also die Ausschank im Gemeindegasthaus, lässt sich bis in die Zeit der Pfarrerhebung 1538 zurückverfolgen: Ein Vertrag mit dem Stift Heiligenkreuz aus ca. 1750 hält fest, dass der Gemeinde vor mehr als 200 Jahren "die freie Nutzung ihres Gemeinde- oder Wirtshauses einschließlich des Leitgebens bewilligt werde, und keine Abgaben außer der Getränkesteuer zu entrichten seien".
(Quelle: [1], p 29 ff)

Nach einem Brand 1601 wurde es unter Abt Paul Schönebner von Heiligenkreuz (wieder) aufgebaut. Nach einem neuerlichen Brand 1610 wurde es an die Gemeinde verkauft.

Den ersten Namen eines Gemeindewirtes, er hieß Ferdinand Alt, verdanken wir einem 1763 protokollierten Streit mit dem ortsansässigen Fleischhauer. Der Streit entstand, weil der Fleischhauerladen, den die Gemeinde verpachtet hatte, 1763 von der Badenerstraße in die Kammer neben der Einfahrt übersiedeln musste und dafür das Gemeindegasthaus um eine Küche und Gastraum erweitert wurde. Es passte dem Fleischhauer weder der neu eingerichtete Laden – er musste 3 mal umgebaut werden - noch die Tatsache, das der Wirt ihm mit Verkauf von warmen Speisen über die Gasse in die Quere kam. Den Disput, der sich bis 1772 hinzog, verlor übrigens der Fleischhauer.
(Quelle: [1])

1764 wird das gemeindeeigene Presshaus und der Weinkeller gebaut, die Weinpresse aus dem Heiligenkreuzerhof (heue Pfarrhof) wird hier untergebracht.

1770 erfolgt unter Richter Ferdinand Nötzl ein größerer Umbau: Im 1. Stock wird ein Gerichtszimmer aus den ehemaligen "Gemeindewohnungen" gebaut. Ein Tanzzimmer (das erste Gemeindezentrum!) sowie ein Nebenraum werden eingerichtet. Im Hof wird die Fleischbank erneuert.
(Quelle: [1] p53)

Die Verpachtung des Gasthauses und der Fleischbank (Fleischhauerkonzession) im Hof dienen als Einnahmequelle, Teile des Hauses wurden als Armenhaus und Wohnungen für alte Leute verwendet.

1798 ist wieder einiges umgebaut bzw. angeschafft worden; ein Arrestraum oben links an der Treppe, für den Gerichtssaal ein Gemälde von Franz II. (nachmalig Franz I. von Österreich) sowie neue Sitzmöbel und 12 neue Feuerlöschkübel.

Um 1800 ist ein Josef Raith Pächter des Gemeindewirtshauses, er erhält für die Verköstigung der französichen Truppen Napoleons, aber auch der Wiener Bürger, die zum Schutze der "Demarkationslinie" (1800) eingesetzt waren, eine Entschädigung.
(Quelle: [1] p 268)

Das Gasthaus lag günstig für den Durchzugsverkehr an der Wiener Landstraße, Anfang des 19. Jhd. befand sich eine Zollstation im Bereich der Ortseinfahrt. (Rieden-Name "In der Maut")

1804 wird das Gasthaus von "der Erde in die Höhe erhoben" (ex terra verxerunt in aethera).

Im Jahr 1831 sind beim Gemeindewirtshaus zwei Pferdeställe für 20(!) Pferde neu gebaut worden. (heute Ritterstüberl im Gemeindegasthaus)

1881 ist Tobias Huber Gemeindewirt, nach einer schweren Schlägerei zwischen böhmischen Dragonern und Einheimischen pachtet er das unter Bgm. Josef Bauer neu errichtetet Gasthaus in der Einöde (Restauration Einöde, später Schustergasthaus). Der Festsaal ist immer noch im 1. Stock.

1884 wird anlässlich einer Ballveranstaltung als Gemeindewirt ein Franz Strobl genannt: Der Wirt hat für Dekoration, Beleuchtung und Bewirtung der 10 Musiker (Braten, 1 Bier und Brot) zu sorgen. Die Musik hatte von 6 Uhr abends bis 6 Uhr früh(!) zu spielen.

Hubers
© Postkarte / (Detail)

Um 1904 war ein Alois Rupp Pächter des nun "Einkehrgasthaus" genannten Wirtshauses, um diese Zeit ist auch eine Magdalena Fischer auf dem Gemeindengasthaus nachweisbar.

1911 findet sich ein Alois Coufal, ein A. Huber’s Gasthaus können wir auf einer Postkarte von ca. 1913 identifizieren. Noch ist das Pferd das Hauptverkehrsmittel, Wasser-und Futtertröge stehen vor dem Lokal.

1920 heißt das Gasthaus "Zur Traube", brennt aber 1921 ab.

Die Gemeinde richtet das Haus wieder ein, und die neugegründete Winzergenossenschaft übernimmt Gasthaus und Keller als "Winzerhaus der Landwirtschaftlichen Genossenschaft". Pächter wird ein Franz Schneider, schöne Fremdenzimmer und "Klavierbenützung" werden angeboten.

Winzerhaus
© Postkarte / (Detail)

1926 erscheint ein Leopold Muhm als Pächter. Die Motorisierung beginnt: eine Tankstelle vor dem Rathaus ersetzt die Futtertröge.

In den 1960er Jahren war das Gasthaus Linshalm zu finden, dann eine Bar "Ali Baba".

1994 erfolgte ein Umbau durch die Gemeinde, das Gasthaus übersiedelt in den Hofteil, eine neue Küche wird gebaut und die Familie Rudolf und Maria Schmid übernimmt die Führung.

Literatur:
Anfahrtsplan zum Rathaus Pfaffstätten: